Futter ohne Tierversuche - Fair und gesund für jeden Vierbeiner

Für viele ist es eine grausige Vorstellung: Tiere der verschiedensten Arten und Spezies werden in winzigen Käfigen, weit ab von jedem sozialen Kontakt gehalten, um sie für verschiedene Versuche „für das größere Wohl“ zu benutzen. Häufig wurden in verschiedenen Laboren grausige Bedingungen aufgedeckt, unter denen die Versuchstiere gehalten werden. Auch, wenn durch die Veröffentlichung und immer lauter werdende Kritik in der Gesellschaft immer mehr auf Tierversuche verzichtet wird, gibt es dennoch weiterhin viele Bereiche, in denen tagtäglich weiterhin Tiere für Versuche genutzt werden.

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Hund bekommt Futter im Napf
© eva_blanco/www.shutterstock.com

Vielen mag es dabei gar nicht bewusst sein, doch auch das breite Feld der Futtermittelindustrie bedient sich häufig der Tierversuche, um Futter für Haus- und Heimtiere herzustellen, obwohl es nicht mehr zeitgemäß ist und inzwischen zahlreiche Alternativen gibt, die Tierversuche verzichtbar machen. Wenn Sie als Besitzer eines eigenen Haustieres dafür sorgen möchten, dass kein anderes Tier für Ihr Tier leid ertragen muss, dann ist es wichtig, dass Sie sich über Tierversuche bei Futtermitteln und wie Sie sie aktiv vermeiden können, informieren.

Tierversuche beschäftigen seit Jahren die Gesellschaft und werden aus gutem Grund immer mehr vermieden und verpönt. Organisationen wie zum Beispiel die PETA konnten bereits in einigen Laboren und Forschungseinrichtungen die Missstände in der Haltung und im Umgang mit Versuchstieren von der Ratte bis zum Hund aufdecken und beseitigen. Trotzdem werden weiterhin Versuchstiere in einem breiten Spektrum der unterschiedlichsten Bereiche benutzt. Besonders absurd erscheint es einem da, dass sogar in der Futtermittelindustrie für sämtliche Haustiere Tiere in Versuchen dafür benutzt werden, Futtermittel zu optimieren. Aber wie kommt es dazu und ist das wirklich notwendig?

Zur Info: Das Gesetz hat für Tierversuche eine klare Definition. Darunter fallen unter anderem keine Feldstudien, bei denen die Tiere nicht ausschließlich dafür gehalten oder gezüchtet werden und auch keine Untersuchungen unter Zwang durchgeführt werden dürfen. Die Untersuchungen verursachen keine Schmerzen und werden nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Besitzers durchgeführt. Hierbei gilt es natürlich zu beachten, dass die Tiere trotzdem eventuell zum Beispiel Inhaltsstoffen in Futtermitteln ausgesetzt sein könnten, die langfristig unbekannte Nebenwirkungen oder Schäden mit sich bringen könnten, weshalb auch Feldstudien kritisch und umfassend beleuchtet werden sollten. Trotzdem ist diese Methode der Versuchstierrekrutierung mit Sicherheit eine sanftere und tierfreundlichere als die der per Gesetz definierten Tierversuche.

Welche Tierversuche werden in der Futtermittelindustrie durchgeführt? Was bezwecken sie?

Um ein Futtermittel herzustellen, müssen sie bestimmten Standards entsprechen. Es gibt viele verschiedene unterschiedliche Futtermittel für sämtliche Tierarten und es werden täglich mehr. Ob als Alleinfuttermittel oder Nahrungsergänzungsmittel, die Futtermittel müssen sicher sein, sollen den Haustieren guttun und ihnen selbstverständlich keinen Schaden zufügen. Labore und Forschungseinrichtungen nutzen aus diesem Grund Versuchstiere, um neue Futtermittelzusammensetzungen zu testen und zu entwickeln. Dazu werden zum Teil grausame Versuche an ihnen durchgeführt.

Hunde- und Katzenwelpen werden absichtlich einseitig oder mangelhaft ernährt, um spezielle Nahrungsergänzungsmittel und deren Wirksamkeit zu testen. PETA berichtet sogar von Welpen, bei denen zum Beispiel bewusst eine Niereninsuffizienz herbeigeführt wird, um ein spezielles Nierendiät-Futtermittel zu testen. Andere Tiere werden beispielsweise operiert, damit aus ihren Organen Proben gewonnen werden können, die die Effektivität oder Wirkung von Futtermittel evakuieren sollen. Oftmals werden Tiere im Anschluss an eine Versuchsreihe euthanasiert, damit weiterführende Studien an ihnen durchgeführt werden können und weil sie lebend keinen Nutzen mehr für die Forschung haben.

Besonders prekär: In Deutschland herrschen strenge Vorschriften für den Umgang mit Versuchstieren und den Umgang mit Tierversuchen. Um diesen strengen Vorschriften nicht Folge leisten zu müssen, verlagern viele Unternehmen ihre Tierversuche ins Ausland.

Woher stammen die Versuchstiere eigentlich und wie werden sie gehalten?

Oftmals werden die Tiere gezielt im Labor gezüchtet und lernen die Welt erst nach vielen Jahren der Versuche oder überhaupt nicht kennen. Zu den häufigsten Versuchstieren gehören neben Ratten, Mäusen und anderen Kleinnagern auch häufig Katzen der Rasse „Europäisch Kurzhaar“ und Hunde der Rasse „Beagle“. Bei diesen Rassen handelt es sich um besonders freundliche, kompatible Tiere, die so genügsam sind, dass sie sich selbst unter minimalstem Komfort und eingeschränkten Haltungsbedingungen noch gut händeln lassen. Die Tiere werden oftmals unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, abgeschirmt in Käfigen oder Zwingern, gehalten und haben nur wenig Kontakt zu Menschen. Abwechslung haben die Tiere selten. Sie werden nicht ausgeführt und für gewöhnlich spielt und kuschelt nur selten einer mit ihnen. In der Regel werden die Tiere in Gruppen gehalten, die alle den gleichen Versuchsreihen angehören. Die meisten Tiere werden für mehrere Versuchsreihen über einige Jahre genutzt. Manche der Tiere haben danach Glück und werden an eine liebevolle Familie gegeben, die ihnen noch schöne Lebensjahre bereitet. Die Haltung dieser Tiere ist jedoch oft gar nicht so einfach, da sie oftmals schlecht sozialisiert sind und gewöhnliche Alltagssituationen ihnen großen Stress bereitet, weil sie sie jahrelang nicht kennengelernt haben. Leider sehen außerdem noch immer viele Versuchsreihen die abschließende Tötung der Tiere mit einer Beprobung verschiedener Organe zur Untermalung der Aussagekraft der durchgeführten Tests vor. So lernt ein Großteil der Versuchstiere niemals das Leben außerhalb der kalten Forschungseinrichtungen kennen.

Sind Tierversuche denn noch zeitgemäß?

Tatsächlich ist es in der EU gesetzlich geregelt, dass sämtliche Zusatzstoffe (Vitamine, Farbstoffe, Konservierungsmittel etc.) ausführlich an Tieren getestet werden müssen, ehe sie für den europäischen Markt zugelassen werden. Das bedeutet, dass zwar zum Teil Versuche an Tieren weiterhin notwendig und sogar Vorschrift sind, aber auch, dass die meisten Zusatzstoffe bereits getestet wurden, bevor sie in der Futtermittelindustrie verwenden werden. Dort sind Tierversuche entsprechend eigentlich nicht mehr notwendig. Da sich die Firmen jedoch einen Wettbewerbsvorteil durch eine ständig neue Zusammensetzung der Futtermittel erhoffen, sind weiterhin regelmäßig Tierversuche nötig.
Inzwischen wurden allerdings Modelle entwickelt, die echte Alternativen zu Tierversuchen darstellen: Modelle am Computer oder im Reagenzglas angezüchtete Zellkulturen, die die Effekte verschiedener Substanzen auf ein Tier simulieren können, schmälern die Notwendigkeit von Tierversuchen fortschreitend. Es gibt inzwischen also durchaus ein breites Angebot an Futtermitteln, die vollständig ohne Tierversuche auskommen.

Woran erkennt man ein Futtermittel, das ohne Tierversuche durchgeführt wurde?

Es ist tatsächlich gar nicht so einfach zu erkennen, ob Tierversuche zur Herstellung und Entwicklung eines Futtermittels genutzt wurden oder nicht. Viele Unternehmen versuchen den Gebrauch von Tierversuchen möglichst geheimzuhalten, da die Gesellschaft verständlicherweise immer mehr Achtsamkeit gegenüber dieser Thematik entwickelt hat und solche Produkte bewusst meidet. Die offene Kennzeichnung von Tierversuchen würde also den meisten Unternehmen einen großen Verlust einbringen. Wie in der Kosmetikbranche gibt es auch in der Futtermittelindustrie bisher kein einheitliches Logo oder eine andere Möglichkeit, sich klar und auf den ersten Blick gegen die Verwendung von Tierversuchen zu bekennen. Trotzdem gibt es sichere Zeichen dafür, dass die Unternehmen Tierversuche verwenden:

  • Es sind Inhaltsstoffe deklariert, die sich nachweislich schädlich auf den Organismus des Hundes auswirken. Diese müssen nach EU-Recht in Tierversuchen getestet werden.
  • Man findet bei genauerer Suche keine Angaben über Tierversuche und erhält auch auf Nachfrage hin keine Auskunft darüber. Oftmals ist das ein Zeichen dafür, dass Tierversuche verwendet wurden.

Die PETA führt übrigens eine sogenannte Positivliste über Unternehmen, die nach eigenen Angaben tierversuchsfrei sind. Auch die Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres führt auf ihrer Homepage eine Liste mit Unternehmen, die mit großer Sicherheit auf Tierversuche verzichtet. Allerdings gilt es dabei zu beachten, dass die gelisteten Betriebe nicht auf ihre Angaben hin kontrolliert wurden, sodass keine absolute Sicherheit besteht, dass die Unternehmen wirklich keine Tierversuche für ihre Futtermittel nutzen. Dennoch bietet die Liste einem eine gewisse Sicherheit und ein Bewusstsein dafür, wie viele Unternehmen es inzwischen schaffen, vollständig versuchsfrei zu bleiben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass es ausreichend Alternativen zu offensichtlich Tierversuche nutzenden Futtermittelherstellern gibt. Insgesamt findet man auf den Listen der PETA und der Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres über 110 Futtermittelhersteller, die gänzlich auf Tierversuche verzichten, darunter zum Beispiel:

  • die PURE Naturfuttter GmbH
  • die Terra Canis GmbH
  • die Vet-Concept GmbH & Co. KG (Vet-Concept oHG)
  • Happy Dog Food
  • die PLATINUM GmbH & Co. KG
  • die Lucky-Pet Handels- und Produktions GmbH
  • Happy Cat (Interquell GmbH) & Happy Dog (Interquell GmbH)
  • die Intercarne GmbH
  • die M + W Tiernahrung GmbH
  • und viele weitere…

Die vollständige Liste der Hersteller ohne Tierversuche finden Sie hier.

Fazit

Die Nutzung von Tieren als Versuchstiere stellt eine wenig tierfreundliche, zum Teil grausame Methodik der sicheren Entwicklung von Produkten für Mensch und Tier dar, die seit Jahren in der Kritik stehen. Dennoch sind Tierversuche leider bis heute eine gängige Methode einiger Futtermittelhersteller, Futtermittel und deren Inhaltsstoffe auf deren Verträglichkeit und Wirksamkeit hin zu testen. Zum Glück gibt es inzwischen einige Unternehmen, die eigene Methoden entwickelt haben, um dich gezielt von der Verwendung von Tierversuchen abzuwenden. Leider gibt es bisher kein einheitliches Zeichen, das deklariert, ob ein Unternehmen Tierversuche durchführt oder nicht. Die Sensibilität und Aufmerksamkeit der Verbraucher ist also gefragt. Mit gezielten Tricks und Hinweisen sowie ein wenig Recherche kann man die Unternehmen und ihre Haltung gegenüber Tierversuchen gut voneinander differenzieren. So kann man sich mit nur wenigen Mitteln gegen Tierversuche und für einen artgerechten, wertschätzenden Umgang mit Tieren einsetzen.


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